TÖRNBERICHT

07. Dezember bis 21. Dezember 1996

Segeln in Australien
in den Whitsunday Islands

Impressionen

Auf Grund der langen Flugzeiten haben wir uns für einen Zwischenstop in Singapur entschieden. Die letzte Etappe im Flieger führte uns vom Äquator direkt nach Cairns im Nordosten von Australien.  Von dort sind es in Richtung Süden ein paar Autostunden bis zu den Whitsunday Islands. 


Wer noch etwas Zeit hat, dem empfehle ich einen Ausflug in den Norden, Richtung Cape Tribulation. Als Unterkunft haben wir einen romantischen Campingplatz direkt am Meer unter Palmen ausgemacht. In diesem kleinen Ort "Ellis Beach" war es ohne Anmeldung möglich eine Kabine zu mieten und die einzigartige Natur zu genießen.


Unser Segeltörn sollte uns mitte Dezember 14 Tage durch die Whitsundays führen. Da wir ja schon "alte Hasen" in diesem Revier waren, habe ich mich in der Charterbasis besonders nach den südlich gelegenen Inseln erkundigt. Prompt wurde mir Thomas Island empfohlen, worauf ich später noch zurück komme.


Unsere Charterbasis "Whitsunday Rent A Yacht" befindet sich in Shute Harbour. Von Airlie Beache gibt es ein Shuttle Service, den man nach Absprache mit der Basis in Anspruch nehmen kann. Somit steht der Verproviantierung nichts im Wege, da sich in Airlie Beach Supermärkte, Bottle-Shops und andere Geschäfte befinden, welche rund um die Uhr geöffnet haben. Bottle-Shops sind in Australien Läden, mit einer Lizenz zum Alkohol-Verkauf.

Die Übernahme des Schiffes, wir charterten eine Oceanis 390 von Benetau, begann mit einem ca. zweistündigem "vorsegeln". Das bedeutet, dass sich der Vercharterer davon überzeugt, ob und wie man mit diesem Schiff zurecht kommt. Sollte es Probleme geben, stellt der Vercharterer für einige Stunden einen Skipper, der dann auch für weitere Tage gebucht werden kann. 


Bei dieser Gelegenheit werden einige Manöver unter Segel gefahren, bei denen man auch gleich eine praktische Einweisung bekommt. Wenn der Skipper zufrieden war, kann man das Schiff übernehmen und sich seinem ersten Ziel dieser phantastischen Inselwelt widmen.

Unser erster Schlag führte uns zur ca. 5 Seemeilen vor Shute Harbour liegenden Insel Long Island. Mit einer kleinen romantischen Bucht "Palm Bay" (Foto unten) in welcher wir den Bug des Schiffes an einer Mooring und das Heck an einer Palme befestigt haben.


Wenige Schritte hinter dieser Bucht befindet sich auf Long Island eine ausgedehnte Infrastruktur für touristische Aktivitäten.

Mit dieser Lake 250 kann man einen unvergesslichen Ausflug zur äußeren Reefkannte des Great Barrier Reef machen.


Eine ernstzunehmende Herausforderung in diesem Revier besteht darin, für die "Tagesroute" die optimale Strömung zu berechnen. Dies in Kombination mit einer Portion Glück -soll heißen- den "richtigen" Wind zu erwischen, kann das Segeln sehr effizient gestalten. In den meisten Fällen weht ein Passat-Wind mit ca. 20 Knoten aus südöstlicher Richtung. Die Richtung der Strömung in den Whitsunday Islands verläuft bei Niedrigwasser (Ebbe) von Süd nach Nord und bei Hochwasser (Flut) von Nord nach Süd. Das sollte man nicht nur bei der Planung des Törns sondern auch beim Ankern in einer Bucht beachten.


Auf diesem Foto sieht man eines der kleinsten Inseln in den Whitsundays. Bei Niedrigwasser besteht eine Verbindung aus feinem Sand zu dem im Hintergrund sichtbar bewachsenen Zipfel. Von hieraus ist ein Tauch- oder Schnorchelgang sehr attraktiv. Die beste Zeit zum Schnorcheln ist immer die Nippzeit, wenn die Strömung möglichst gering ist.


Ein Tipp für das besondere Schnorchelerlebnis ist die Blue Pearl Bay, westlich von Hayman Island. Die für mich schönste Bucht zum Schnorcheln oder Tauchen, mit bizarre Formen des Reefs in seiner ganzen Vielfalt. Unendlich viele bunte Fische sind im klaren Wasser zu bewundern.

Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang auch die Turtle Bay, eine Bucht südlich der Whitsundy Island. Im Monat Dezember, kurz vor Beginn der Regenzeit, ist in dieser Bucht ein besonders reges Treiben der Schildkröten zu beobachten. Das Ufer wird zum Teil durch Steine begrenzt, welche mit Austern besetzt sind. In unserer Charteryacht befand sich auch ein entsprechendes "Austernbesteck" um damit die harten Schalen aufzubrechen und das Fleisch zu schlürfen.


Nara Inlet (Foto oben) eine Bucht mit gutem Schutz vor starken Winden. Hier bieten sich ausgiebige Landgänge an. Sehenswürdigkeiten sind eine Höhle mit Bemalungen der Ureinwohner Australiens (den Aborigines) sowie die subtropische Vegetation im grünen Regenwald. Mit ein wenig Glück lässt sich auch Bekanntschaft mit der Tierwelt machen. Hier (Foto unten) eine schlafende Python, offensichtlich nach dem "Mittagessen", was man an einer dicken Stelle des Körpers im Vordergrund erkennen kann.


Wieder unter Segel verlassen wir diesen geschützten Ankerplatz. Vorbei an Hamilton- und Dent Island steuern wir Pentecost Island an. Diese recht kleine Insel, hat Ähnlichkeit mit einem Zuckerhut. Die Höhe des Berges erstreckt sich auf ca. 300 Meter und ist durch seine markante Form in diesem Revier nicht zu verfehlen. Südlich geht es an Pentecost Island vorbei. Wir segelten zwischen Lindeman- und Shaw Island durch. Auf Lindeman Island befindet sich der für dieses Revier beliebte Club Med, den man auch mit dem Schiff ansteuern kann um nicht nur die kulinarischen Genüsse zu erleben.

Am südlichen Zipfel von Shaw Island vorbei Richtung Osten ist Thomas Island schon in Sicht. Mit einer Höhe von ca. 200 Metern ist auch diese Insel leicht auszumachen. Wir steuerten südlich von Thomas Island eine ruhige Bucht mit weißem Strand an. Mit dem Dingi setzten wir über und befanden uns ganz allein auf dieser naturbelassenen Insel. 


Auf dem Foto (unten) schaut man von Thomas Island in Richtung Süden. Mit etwas Mühe kann man im Hintergrund mit einer Entfernung von ca. 3 Seemeilen Silversmith Island erkennen.


Thomas Island ist Natur pur. Mit etwas Glück, lassen sich Leguane beim Sonnenbaden auf einem Felsen beobachten. Eigenartige mir unbekannte Früchte wachsen hier und dienen offensichtlich nicht nur den Vögeln als Nahrungsquelle.


Auf dem Foto (unten) ist eine Schildkrötenspur zu sehen. An dieser Stelle im Schutz der Vegetation hat ein Weibchen vor kurzer Zeit -wahrscheinlich in der letzten Nacht- ihre Eier abgelegt. Früher dienten diese Eier den australischen Ureinwohnern als leckere Mahlzeit.


Die meisten Inseln in den Whitsundays wurden durch den im Jahre 1975 durch das australische Parlament gegründete Great Barrier Reef Marine Park unter restriktive Bestimmungen gestellt. Diese Bestimmungen dienen dem Schutz des Reefs und der einzigartigen Natur auf den Inseln.

Das Great Barrier Reef ist mit ungefähr 1500 Fischarten und 400 verschiedenen Korallenarten das weltgrößte und artenvielfältigste Gebiet. Im Wasser tummeln sich darüber hinaus sechs verschiedene Schildkrötenarten, sowie Delphine und im August bis Oktober auch Wale. Auf den Inseln lassen sich auch einige der 232 unterschiedlichen Vogelarten beobachten.


Vierzehn Tage unter Segeln in den Whitsundays machen Sehnsucht nach dieser einzigartigen Welt. Der Buchtitel von David Colfeld "100 Magic Miles of the Great Barrier Reef - The Whitsunday Islands" drücken auch meine Erlebnisse aus. Das Buch kann ich jedem Interessenten nur empfehlen, für Segler in diesem Revier erhebe ich es zur Pflichtliteratur an Bord des Schiffes.

Für weitere Informationen stehe ich gern zur Verfügung. 

Email: info@sy-manatee.de


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