Unsere Überfahrt von Neukaledonien verläuft bislang ruhig. Böiger Wind wechselt sich mit Flauten ab. In den Nächten leuchtet der Mond. Die vorherrschenden Wetterverhältnisse bestimmen den Einreisehafen unseres neuen Ziels.
Nach sechs Tagen ist es endlich so weit: Land in Sicht! Australien! Wir steuern die Gold Coast an, und in der Ferne leuchten die langen weißen Sandstrände. Am 6. November gegen 10:30 Uhr legen wir am Q-Dock in Southport an. Geschafft! Biosecurity, Zoll und Einwanderungsbehörde kommen an Bord, und nachdem alle Kontrollen und Formalitäten erledigt sind, dürfen wir das Land betreten.
Wir buchen einen Liegeplatz, um auf unserer Manatee klar Schiff zu machen und die Salzkruste des Pazifiks zu entfernen. Ausgeschlafen und erholt sind wir nun bereit, die Umgebung zu erkunden. Die Gold Coast ist eine pulsierende Stadt, in der das Leben überall präsent ist. Zwischen den betriebsamen Straßen finden wir aber viele grüne Oasen und kleine Rückzugsgebiete. Wir freuen uns über die gute Infrastruktur und sind begeistert, dass die Lebensmittelpreise im Vergleich zu Nouméa wieder sehr moderat sind. Selbst einen Aldi gibt es. Unsere Manatee liegt in der Southport Marina, und um in die Stadt oder zu den großen Supermärkten zu gelangen, überqueren wir die lange Sundale Bridge. Dabei genießen wir den Blick auf den Nerang River und die vielen Boote, die hier unterwegs sind.
Doch besonders beeindrucken uns die langen weißen Sandstrände unweit der Marina, die wir fast täglich für ausgedehnte Spaziergänge nutzen.
Wir fühlen uns wohl, aber wir wollen nach Sydney. Gewitterfronten und Gegenwind machen eine Weiterfahrt bislang noch unmöglich. Also nutzen wir die Zeit, um die Umgebung weiter zu erkunden. Da wir ja in Australien sind, wollen wir Koalas und Kängurus sehen. Mit Bus und Straßenbahn fahren wir in den Coombabah Lakelands Park, wo die Chancen groß sind, die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu entdecken. Unsere Erwartungen werden erfüllt. Das erste Känguru lässt nicht lange auf sich warten. Es beobachtet uns, scheint uns fast zu begrüßen, bis es wieder ins Grüne springt. Der Park ist ein sehr schönes, natürliches Landschaftsgebiet. Wiesen und mystische Waldabschnitte wechseln sich ab. Dann entdecken wir unseren ersten Koala in einem dicken Eukalyptusbaum. Ruhig, fast bewegungslos, sitzt er zwischen den Ästen und blinzelt ab und zu in die Sonne. Etwas später haben wir das Glück, eine Koalamama mit ihrem Kind zu beobachten. Diesmal gibt es sogar ein paar Aktivitäten der beiden. Kängurus grasen auf den Wiesen oder hüpfen vorbei. Welch ein gelungener Tag voller schöner Erlebnisse.
Ursprünglich hatten wir geplant, direkt nach Sydney weiter zu segeln. Doch die wechselhaften Wetterbedingungen zwingen uns, unseren Plan zu ändern. Wir müssen wohl in Etappen unser Ziel erreichen. Nach einer Nachtfahrt mit jeder Menge Schiffsverkehr erreichen wir bei Böen von 30 Knoten und mehr Coffs Harbour. Wieder rollen Gewitterfronten über Land und Meer. Der Wind dreht schnell und kommt hauptsächlich aus dem Süden. Also richten wir uns ein und warten ab.
Doch Coffs Harbour gefällt uns ausgesprochen gut. Der Ort hat einen ganz eigenen Charakter und strahlt eine angenehme Ruhe aus. Urlaubsatmosphäre ohne Tamtam. Hochhäuser fehlen hier in Ufernähe. Im Hafen stehen Fischerboote, und im angrenzenden Markt wird der Fisch frisch verkauft. Wir nutzen dieses Angebot, und am Abend brutzelt der frische Fang in der Pfanne.
Ein weiteres Highlight ist der Mutton-Berg, auf dem die gleichnamigen Vögel brüten. Wir wandern den schmalen Pfad hinauf und genießen eine bezaubernde Aussicht auf die Bucht und den Hafen, während unter uns die Brandung tobt. Die lange Seebrücke lädt zum Spazieren ein, und auch hier können wir wieder barfuß im Wasser entlang des Strandes laufen. Dabei fallen uns die aufgestellten Rettungssäulen für mögliche Hai-Unfälle auf, was uns Respekt abverlangt.
Dann ist es so weit. Das Wetter passt. Wir lösen die Leinen und setzen unsere Reise fort. Nach zwei Tagen erreichen wir Sydney bei strahlendem Sonnenschein. Vor dem Opera House und der Harbour Bridge ziehen wir mit der SY Usi, die mit uns ablegte, unsere Runden, fotografieren uns gegenseitig und sind stolz darauf, mit eigenem Kiel hier angekommen zu sein.
Für uns geht es an der Oper vorbei, durch die Harbour Bridge bis zu unserer Marina im schönen Stadtteil Balmain. Diesen Platz haben wir bereits vor langer Zeit reserviert. Als wir anlegen, sind wir überglücklich und mächtig stolz, endlich hier zu sein.
Langsam bricht die Vorweihnachtszeit an. An den Häusern und in den Schaufenstern leuchtet Weihnachtsschmuck, und bunte Weihnachtsbäume präsentieren sich stolz in den Straßen und auf den Märkten. Wir bummeln über die Weihnachtsmärkte, auf denen internationale Köstlichkeiten angeboten werden. Der Trubel der festlichen Atmosphäre ist schön, und trotz des Gedränges herrscht eine entspannte Stimmung.
Weihnachten treffen wir uns mit unseren Segelfreunden zum Abendessen. Anschließend stehen wir begeistert vor der St. Mary’s Kathedrale und bestaunen die Lichtershow an den Fassaden des alten Gebäudes. Am Ende schenkt uns die Zeitverschiebung nach Europa die Gelegenheit, ausgiebig mit unseren Lieben daheim zu telefonieren.
Der zweite Weihnachtstag bringt noch einen Höhepunkt, den Start des Sydney-Hobart-Race. Um dabei zu sein, nehmen wir die Fähre nach Manly und setzen unseren Weg mit dem Bus bis zum Aussichtspunkt North Head fort. Heute bläst kalter Südwind über Sydney und lässt uns ein wenig frösteln. Wir sind froh, bei diesem Wetter und Gegenwind nicht auf dem Wasser zu sein. Doch die Stimmung ist großartig. An den Aussichtspunkten drängen sich die Zuschauer, Kamerateams berichten live, und im Wasser sowie in der Luft beobachten Beiboote und Hubschrauber den Start von 132 Segelyachten unterschiedlicher Kategorien, die sich gegen Wind und Wellen in Richtung südliches Hobart begeben.
Nach diesem aufregenden Erlebnis geht es zurück durch die Stadt, und wir befinden uns plötzlich im Gedränge eines typischen Boxing Days in Sydney. Dieser Tag wird hier als großer Rabatt-Verkaufstag gefeiert und gefühlt ist ganz Australien auf den Beinen. Uns ist das zu viel und wir machen uns auf zügigen Weg nach Hause.
Kurz kehrt Ruhe ein, bis wir wieder die Leinen lösen. Diesmal geht es nicht weit, sondern zu einem ganz besonderen Ereignis. Wir fahren mit unserer Manatee in die Ankerbucht direkt vor der Oper und der Harbour Bridge. Wir werfen den Anker und schaukeln ordentlich in den Wellen. Doch das nehmen wir gerne in Kauf, schließlich haben wir hier den perfekten Aussichtspunkt für die große Silvesternacht.
Bis es so weit ist, sammeln sich immer mehr Boote um uns herum. Doch für jedes neuankommende Boot findet sich noch eine Lücke. Am Ufer füllen sich bereits am Mittag die Zuschauer, die es sich gemütlich machen. Eine ganz besondere Stimmung liegt in der Luft. Die Vorfreude, das neue Jahr mit dem spektakulären Feuerwerk zu begrüßen, ist deutlich spürbar. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt bereits ein wunderschönes Lichterspiel rund um den Hafen. Die Harbour Bridge erstrahlt in verschiedenen Farben, auf den Segeln des Opernhauses leuchten Bilder, und ein Lichterkorso von Booten fährt langsam seine Runden. Um 21:00 Uhr erleuchten die ersten Raketen, das sogenannte Kinderfeuerwerk erhellt den Himmel und steigert die Erwartung.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Unsere Manatee schaukelt gemütlich zwischen den anderen Booten direkt vor Oper und Brücke. Dann, der Countdown läuft … Mitternacht … Es wird still, ein Raunen ertönt, gefolgt von jubelnden Rufen. Ein fantastisches Feuerwerk lässt den Himmel und die Brücke strahlen und läutet das neue Jahr ein. Gebannt und überglücklich verfolgen wir dieses berühmte Schauspiel.
Willkommen 2026!
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